Montag, 21.09.2020 07:10 Uhr

Reopening Künstlerhaus am Karlsplatz Wien

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 20.12.2019, 06:50 Uhr
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Wien [ENA] In der Pressemitteilung anlässlich der Wiedereröffnung des "Künstlerhaus, der Gesellschaft bildender Künstler*innen Österreichs", heißt es, dass das das Haus, ehemals im Stil einer italienischen Renaissancevilla erbaut, aus den Mitteln der Familienprivatstiftung von Hans-Peter Haselsteiner, saniert und "denkmalschutzgerecht" restauriert wurde. Kein Zeifel, das Haus wurde saniert, das war auch gut und wichtig.

Aber ob es "denkmalschutzgerecht" renoviert wurde, ist zweifelhaft. Denn das wunderschöne Palais ist, wenigstens innen, kaum wiederzuerkennen. Mein erster Gedanke war, das ist nicht renoviert, sondern zerstört. Was ist da passiert? Eigentlich der Großteil der ehemaligen im Renaissancestil geschmückten Ausstellungsräume wurden "modernisiert". Alle Wände wurden mit Gipskartonplatten einheitlich weiß und steril "gestylt", wie man es in der Zwischenzeit von jeder Cafeteria, Krankenhaus oder billigen Hotels kennt. Die schöne hohe Decke wurde natürlich verkürzt und statt einem Himmelreich an Schnitzereien und Malereien starren eine Unzahl an bedrohlich wirkenden Scheinwerfern auf den Besucher herab.

Die herrlichen Mosaik-Steinböden wurden mit einer nach Kunststoff aussehenden Holzart "verschönert" und große, schwere Metalltüren, die sich selbst öffnen, und die man in Sporthallen und Schulen findet, ersetzen die herrlichen alten Holztüren. Gnädigerweise hat man die Eingangshalle im Renaissancestil belassen, sodass noch ein Erahnen der ehemaligen Pracht und Kunstfülle möglich ist. Gott sei Dank habe ich dann beim Nachfragen erfahren, dass Wände, Böden und Decken in den Ausstellungsräumen nicht zerstört, sondern nur hinter Gipskartonplatten "versteckt" wurden. Warum eigentlich? Kann man den Menschen heute keine Renaissance mehr zumuten? Man hätte sicherlich auch einen besseren Kompromiss zwischen Alt und Neu finden können.

Dass jetzt zum ersten mal eine Frau an der Spitze des Künstlerhauses steht, nämlich Tanja Prusnik, ist nur ein schwacher Trost. Der künstlerische Leiter Tim Voss hat viele Pläne für zeitgenössische Ausstellungen und für einen Ort der Begegnung. Aber am 6. März 2020 ist es dann soweit. Ab 19 Uhr findet die feierliche Eröffnung mit einer Performance statt und Tim Voss hat internationale Künstler*innen zu einer Gruppenausstellung eingeladen. Noch einen Lichtblick gibt es: Ab Juni 2021 soll das ehemalige "G'schnas"- dieser Begriff wurde im Künstlerhaus erfunden und ist historisch untrennbar mit ihm verbunden - als Sommerfest zu einem neuen Veranstaltungs-Highlight Wiens gemacht werden.

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